Durch die Welt des Glamours
Es gibt Abende, an denen will man gar nicht mehr, als einfach nur gut unterhalten werden. Genau dies schaffte der Aschaffenburger Entertainer Pit Schneider am Abend vor Silvester auf der kleinen Bühne des Marktheidenfelder „Fasskellers“ in brillanter Weise.
Sein Rezept: Mit schnodderigem Humor und musikalischem Können parodiert der gebürtige Berliner jene Stars, die wir alle kennen. Die Bandbreite ist groß vom unvermeidlichen Alkohol-Horizont des Udo Lindenberg über den Brecher der stolzesten Frauenherzen Heinz Rühmann und den glitzernden, französischen Russland-Reisenden („Nathalie“) Gilbert Bécaud bis hin zu „Simply the Best“- Tina Turner. Sie alle trifft der Musiker in Gestus, Stimm-Melodie und bisweilen sogar mit seiner Mimik.
Schneider nimmt das Publikum mit auf seine Reise in die Welt des Glamours. Zu Beginn lässt er ein wenig mit Monty Python „Always look on the bright side of life“ bepfeifen und dann zieht er in Musikantenstadl-Manier durch die Reihen – im Fasskeller vielmehr durch die Reihe. Hier ein Schlückchen vom Glas geschnorrt, dort eine Zigarette gepumpt, dazwischen ein wenig die Damen angeschmachtet oder die Herren „hopps“ genommen. Als der „King of Pop“ Michael Jackson auf die Erde zurückkehrt, benötigt er natürlich einen Bodyguard. Er findet sich: Matthias aus dem Publikum wird mit Sonnenbrille und Regenschirm ausgestattet und macht ein amüsiertes Gesicht zum musikalischen Spiel.
Spontan und improvisiert
Pit Schneider hat noch eine andere, ganz persönliche Note. Er ist ein Liedermacher und Interpret mit viel Humor. Er erzählt von Fredl Fesl und singt ganz zwischendurch einfach einmal dessen „munteres Lied vom Rausch“, weil es ihm gerade Spaß macht und er seinen Techniker Niko gerne vor ungewohnte Situationen stellt. Als der Mittfünfziger sein eigenes Liedchen vom Altern „Heute piekt's hier und morgen piekt's dort“ munter zur Gitarre trällert, lacht das bevorzugt etwas ältere Publikum beherzt mit. Der Entertainer ist dabei ganz bei sich selbst und fast wünscht man sich, er würde seine „Stars im Dreivierteltakt“ ein wenig länger verlassen und mehr Eigenes bieten.
Der Aschaffenburger kehrt aber schnell zurück in die Welt des Hans Moser und des Hans Albers – Stimmung wie „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins!“. Wie viele Parodien dieser beiden hat man schon gesehen. Bei Schneider sind sie dennoch frisch, denn das Programm wirkt trotz aller Professionalität spontan und improvisiert. Da werden nicht einfach die Nummern abgezogen, sondern der Zuschauer erwartet die nächste bunte Wendung mit Spannung.
Eines zeichnet die Parodien noch aus. Nie sind sie respektlos. Der Entertainer ist früher als Bühnenmusiker mit Stars wie Harald Juhnke oder Roy Black unterwegs gewesen. Er schätzt seine „Opfer“ als Künstler und Menschen. Das wird in den erzählten Anekdoten deutlich. So beklagt Reinhard Mey die wohl sehr begrenzten Freiheiten auf Reisen im Tournee-Geschäft.
Was Pit Schneider auch auszeichnet, ist ein ganz souveräner Umgang mit Texten. Humorvoll wandelt er sie um und trifft dabei satirisch den Nagel auf den Kopf. Nach einem Dialog mit Marcel Reich-Ranicki wandelt sich Peter Maffays Jugendliebe-Hymne „Es war Sommer“ zum Senioren-Hit „Es war Oma“ oder die „Babièka“ von Prags goldener Stimme Karel Gott erweist sich als seniler Verkehrsrowdy.
„Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen“ – mit diesem Kompliment nach Johannes Heesters verabschiedete sich Pit Schneidet vom Marktheidenfelder Publikum, das wirklich mitgegangen war. Die Zuschauer erlebten dann sicher auch die Satchmo-Zugabe wie ein Motto der unterhaltsamen Musik-Show an diesem Abend: „What a wonderful world“.